Als die D-Mark die große Wende brachte

Staatssekretär Oliver Wittke erinnerte in Neustadt an die Währungsreform vor sieben Jahrzehnten
Mit dem Vortrag des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Oliver Wittke, erinnerte die Stadt Neustadt an die Einführung der Deutschen Mark vor 70 Jahren.
von Klaus Böttcher
Neustadt. Das Trio Semplice (Wilfred Sohn am Klavier sowie Michael Dippel und Karl-Joseph Lemmer Trompete und Gesang) spielte den Titel „Money, Money, Money“. Schließlich ging es auch um Geld. Als Teil der zeitgeschichtlichen Veranstaltungsreihe erinnerte die Stadt Neustadt an die Währungsreform vor 70 Jahren.
Dazu hatte Bürgermeister Thomas Groll mit Oliver Wittke einen aktiven Politiker der Bundesregierung als Gastredner eingeladen. Traditionell stellte Groll den Gast vor, der seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages ist. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie war fünf Jahre Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen gewesen. Danach war er in seinem Heimatland Nordrhein-Westfalen Minister für Bauen und Verkehr. In seiner Rede erinnerte Wittke daran, dass es im 20. Jahrhundert gleich zwei Währungsreformen gegeben habe. Die erste fand 1923 statt, als die Mark des deutschen Kaiserreiches fast wertlos geworden war und schließlich durch die Reichsmark abgelöst wurde.
„Die zweite Währungsreform ereignete sich dann am 20. Juni 1948, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als die durch nationalsozialistische Kriegs- und Schuldenwirtschaft zerrüttete Währung durch die D-Mark ersetzt wurde“, erklärte
Wittke. Die wirtschaftliche Lage sei außerordentlich schlecht gewesen. „Lebensmittel gab es nur mit Bezugsscheinen, der Tauschhandel blühte und Zigaretten waren das eigentliche Zahlungsmittel“, schilderte der Politiker die damalige Lage.
Als dann die D-Mark in den drei westlichen Besatzungszonen, der sogenannten Trizone, als neues Zahlungsmittel eingeführt war, füllten sich in kürzester Zeit die Regale. „Es war die Zeit boomender Wirtschaft und steigender Löhne.
Plötzlich gab es wieder alles zu kaufen“, so Wittke. Die Händler hätten zuvor die Waren gehortet, da sie der Reichsmark nicht mehr getraut hätten. Das Umtauschverhältnis war eins zu eins. Für die Abgabe von 40 Reichsmark pro Person gab es 40 D-Mark. Der Staatssekretär erklärte auch, wo die D-Mark herkam. In den USA gedruckt, kamen 500 Tonnen Scheine in 23 000 Kisten verpackt in Bremerhaven an.
„In der sowjetischen Besatzungszone folgte man damals den Entwicklungen mit einer eigenen Währungsreform“, erklärte der Wirtschaftsstaatssekretär. Dadurch habe sich die Lage zugespitzt. Durch die Berlinblockade erlebte der kalte Krieg seinen ersten Höhepunkt. „Geld ist mehr als nur ein profanes Tauschmittel. Es ist hochpolitisch und seine Geschichte ist eng verflochten mit unseren Lebenswegen“, stellte Wittke fest. Wittke sprach im Zusammenhang mit der Währungsreform von der Geburtsstunde der sozialen Marktwirtschaft und erinnerte an Ludwig Erhard, der als deren Vater bezeichnet wird. Damit habe das deutsche Wirtschaftswunder begonnen.
Wittke ging dann auf das Verhältnis der D-Mark zu anderen Währungen ein. Er sprach von der deutschen Wiedervereinigung und betonte, wie sehr sich die Ostdeutschen die D-Mark gewünscht hätten. Er spannte den Bogen von der Errichtung der Zentralbank 1994 bis zur Europäischen Zentralbank (EZB) 1998. Er ging auf die solide Haushaltspolitik ein, weshalb der Stabilitäts- und Wachstumspakt eingeführt worden sei.
Die Veranstaltung wurde bereichert durch eine Ausstellung von Bert Dubois, bei der die D- Mark bewundert werden konnte. Das Trio Semplice erinnerte am Ende an den Milchmann aus dem Musical Anatevka, als dieser sang: „Wenn ich einmal reich wär.“

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