Beim „Sonnenschein“ sieht’s düster aus

Schäden an der Neustädter Kindertagesstätte sind schlimmer als befürchtet
Von Florian Lerchbacher

Neustadt.
Die Kindertagesstätte „Sonnenschein“ ist eine riesige Baustelle – und zwar eine, die immer mehr schlechte Nachrichten für die Stadt Neustadt produziert und eine zentrale Frage aufwirft: sanieren oder neu bauen? Denn: Hinter den Fassaden treten immer mehr Schäden und Defizite zutage.
Seit Ende 2025 ist der „Sonnenschein“ geschlossen und der Kita-Betrieb in zwei Notunterkünfte ausgelagert. Grund dafür ist ein massiver, durch den Bruch einer Leitung in einem Bad entstandener Wasserschaden, der im September entdeckt worden war und zu Schimmelbildung führte. Inzwischen hat eine Firma auf Geheiß der Versicherung den kompletten Estrich und Teile der Wände entfernt, wie Bürgermeister Thomas Groll berichtet. Ans Licht kamen dabei zahlreiche zusätzliche Mängel.

In der Küche wurde ein weiterer Wasserschaden entdeckt, mehrere Rohre im Gebäude sind defekt, und im Boden gibt es bauliche Mängel, „die unter anderem zu Ungeziefereintrag führten“. Außerdem ist das Dach an verschiedenen Stellen undicht, was auch an der mehrfachen Erweiterung des Gebäudes liege, so Groll. „Und wenn Fußboden und Wände schon einmal offen sind, dann muss man auch über die Erneuerung von Elektrik und Heizung nachdenken, die nicht mehr zeitgemäß sind“, erklärt der Rathauschef während eines Vor-Ort-Termins.

Hinzu komme, dass die energetische Situation Stand 1974 – also aus dem Jahr der Einweihung – sei. In spätestens drei Jahren müssten zudem Türen und Fenster ausgetauscht werden, und nach zwei Anbauten sei die Raumaufteilung auch alles andere als vernünftig oder den heutigen Anforderungen entsprechend.

„Man kann den schlechten Verlauf auch als Chance begreifen“, warf er in Anwesenheit der Neustädter Magistratsmitglieder und der Fraktionsvorsitzenden vielsagend in den Raum und sprach dann davon, dass sie in den kommenden Monaten eine zentrale Frage klären müssten: „Neubau oder großflächige Sanierung?“ Dabei erinnerte er daran, dass die Neustädter sich 2009 bei der Kita „Regenbogen“ bei der Beantwortung der Frage für den Neubau entschieden – und das angesichts eines geringeren Schadensbildes.

„Ziel muss sein, dass die Einrichtung zukunftsfähig ist und wir nicht in drei oder vier Jahren schon wieder größere Arbeiten vergeben müssen“, betonte er und kündigte an, dass die Stadt zunächst das Gespräch mit der Versicherung suchen werde, um zu erfahren, welche Schadenshöhe sie tragen werde. Die Schadensaufnahme durch die Versicherung sei aber noch nicht abgeschlossen und werde für Ende Juni erwartet. Die Stadt müsse derweil ermitteln, wie hoch die Kosten für alle weiteren Punkte seien, die es zu erledigen gelte.

Die ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen und -politiker reagierten derweil schockiert, aber gefasst. Verschiedene von ihnen sagten, dass sie „Stückwerk“ nicht für sinnvoll hielten und sich immer wieder die Frage stelle, ob der Schimmelbefall wirklich komplett entfernt werden könne. Karsten Gehmlich (FWG) ärgerte sich, dass ein Neubau meist wirtschaftlicher sei, als eine Sanierung und somit das Schonen von Ressourcen fast unmöglich werde.

Jakob Gnau (CDU) warf mit Blick auf den geplanten Bau einer dritten Kita für die Neustädter Kernstadt in den Raum, dass diese am Standort des ehemaligen Bundeswehrsportplatzes doch einfach größer konzipiert werden und beispielsweise acht bis zehn Gruppen haben könnte. Die Fachaufsicht würde dies nicht genehmigen, entgegneten Groll und Projektbetreuer Jens Salzmann. Und sinnvoll würde eine so große Einrichtung auch nicht sein, ergänzte der Bürgermeister.

Hans-Gerhard Gatzweiler schlug daraufhin vor, am Standort der neuen Kita einfach zwei separate Einrichtungen zu bauen. „Vorstellbar wäre das, auch wenn die Fachaufsicht wahrscheinlich nicht hurra schreien würde“, kommentierte Groll. Fördermittel für einen Kita-Neubau gebe es derzeit keine. Für den laut Haushaltsplan auf Gesamtkosten von 5,8 Millionen Euro bezifferten Neubau der dritten Kita greift die Stadt auf das Sondervermögen des Bundes zurück. „Aber gegebenenfalls könnten wir auch den Bau von zwei Kita-Gebäuden stemmen, ohne haushalterisch auf größere Verwerfungen zu stoßen.“