Die Stadt ist ratlos und hofft auf Anregungen

Immer wieder gibt es Beschwerden über die hohe Verkehrsbelastung durch Pendler „Am Schalkert“

„Wir haben noch keine Lösung gefunden, die allen gerecht wird“, klagt Bürgermeister Thomas Groll und fragt: „Wo ist der Stein der Weisen?“

von Florian Lerchbacher

Neustadt. Insbesondere nachmittags fällt „Am Schalkert“ und in den Nebenstraßen auf, dass zahlreiche Fahrzeuge mit Schwälmer Kennzeichen das Wohngebiet durchqueren. Aus Richtung Stadtallendorf kommend nutzen sie die Strecke auf dem Heimweg als Abkürzung – was natürlich kein Verbrechen ist, wohl aber eine Belastung für die Anwohner. Und zwar eine, die sie auch immer wieder bei der Stadt beklagen.

Bereits im Herbst 2013 kam das Thema im Ortsbeirat der Kernstadt aufs Tableau. Die vorgeschlagene Einbahnstraßenregelung fand allerdings keine mehrheitliche Zustimmung der Anwohner – wurde aber einige Monate später im Zuge der Bauarbeiten an der Hindenburgstraße und der daraus resultierenden zahlreichen Umleitungen im Stadtgebiet doch eingeführt. „Das hat ordentlich funktioniert“, erinnert sich Bürgermeister Thomas Groll.

Als die Sanierung des ersten Abschnitts der Bundesstraße dann nach etlichen Verzögerungen zum Ende kam, gehörten die Einbahnstraßenregelungen aber auch wieder der Geschichte an, und es traten zeitnah ernejut Beschwerden auf. Eine Verkehrszählung der Stadt

Ende September 2016 ergab, dass rund 950 Fahrzeuge täglich im Wohngebiet unterwegs sind – rund 9,5 Prozent davon im „ahndungsfähigen Bereich“, also mit mehr als 39 Stundenkilometer (die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Stundenkilometer). Zum Vergleich: Auf der Hindenburgstraße, die die Schwälmer umgehen wollen, verkehren täglich zwischen 5 000 und 6 000 Fahrzeuge. Besonders auffällig sei, so Groll, dass im Feierabendverkehr in dem Wohngebiet ein hoher Anteil (rund 50 Prozent) an Fahrzeugen mit HR- beziehungsweise ZIG-Kennzeichen unterwegs seien.

Erneut unterbreitete die Stadt Neustadt daher den Anliegern

einen Vorschlag mit Einbahnstraßenregelungen: „Das ist das wirksamste Mittel, um Pendler herauszuhalten“, betont der Bürgermeister. Der Ansatz lautete, Teile der Straße „Am Schalkert“, des St.- Martin-Weges und des Wiesenweges zu Einbahnstraßen zu machen, damit „Abkürzer“ quasi im Zickzack durch das Gebiet fahren müssten und nicht so einfach die Bundesstraße erreichen könnten. „Das allerdings hätte eine höhere Belastung für die Ringstraße und den Töpferweg bedeutet, wo auch wieder lenkende Maßnahmen notwendig gewesen wären“, kommentiert Groll und erläutert zu möglichen Alternativen, dass ein An- lieger-Frei-Schild ohne Wirkung bleiben würde und die Umwidmung in eine Spielstraße nach der Straßenverkehrsordnung nicht umsetzbar sei. Regelmäßige Kontrollen seien auch nicht leistbar, weil die Stadt nur über eine Hilfspolizistin verfüge.

Zum Jahreswechsel befragte die Stadt daher die Anwohner. Resultat: Ziemlich genau die Hälfte (vornehmlich Anlieger des Schalkerts) sprach sich für eine Einbahnstraßenregelung aus, der Rest (überwiegend aus den Seitenstraßen) dagegen.

Einen Verkehrsversuch, der die Bürger in nahezu exakt zwei Lager spaltet, hält die Stadt nicht für sinnvoll. Als Alternative, einen Teil der Ringstraße zur Einbahnstraße zu machen, findet Groll auch nicht gut. „Selbst Ortsunkundige würden nach kurzer Zeit herausgefunden haben, wie sie über Nebenstraßen das Stück umfahren“, wirft Ortsvorsteher Klaus Groll ein – noch dazu wäre dies ein Einschnitt für die ganze Kommune.

„Unser Problem ist, dass das Wohngebiet vier Zufahrten hat – was extrem selten ist“, sagt Bürgermeister Groll und erinnert an das Versprechen im Ortsbeirat, bis März „passiert etwas“.

Allerdings weiß er nicht, was das sein könnte: „Ich habe schlicht keine Ahnung. Es gibt einfach zu viele Zufahrten. Manchmal kommt man um die Null-Lösung leider nicht umher“, sagt er und erinnert daran, dass im Jahr 2018 die Sanierung der Querallee anstehe, während der ohnehin wieder Umleitungen und Einbahnstraßen im Kernsfadtgebiet unumgänglich seien.

Die Grolls sind also ratlos – aber sich auch einig, dass eine „leistungsfähige, überregionale Straße“ fehlt, die Neustadt entlasten würde. „Die Autobahn 49 wird gebraucht. Sie hätte Umgehungs- und Entlastungscharakter“, resümiert der Bürgermeister und stellt heraus, dass die Stadt auf Ideen von Bürgern hoffe. Falls jemand glaube, den „Stein der Weisen“ gefunden zu haben, möge er sich im Rathaus melden.

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