Junge Frau mit einem Faible für Altes

Verband baugewerblicher Unternehmer zeichnete Katja Hills Arbeit zur Sanierung von Fachwerkhäusern aus

„Tradition bewahren und Zukunft entwickeln“ ist ein zentrales Motto der Mengsberger Arbeits­gruppe „Baugestal­tung / Bauentwicklung“ -Katja Hill macht diesem Anliegen alle Ehre.

von Florian Lerchbacher

Mengsberg. 28 Kulturdenkmä­ler und 68 „erhaltenswerte Ge­bäude“ gibt es in Mengsberg -und eine junge Frau, die sich für ihre Bachelorarbeit mit den Ge­gebenheiten vor Ort auseinan­dergesetzt hat. Und das mit Er­folg: Der Verband baugewerb­licher Unternehmer Hessen, der alljährlich die besten Examens­arbeiten prämiert, zeichnete ihr Werk mit dem Titel „Sanierung von historischen Fachwerkhäu­sern – beispielhaft erläutert an einer alten Fachwerkscheune“ im Bereich Bauingenieurwesen mit der Silbermedaille aus.

Die Arbeit hatte Katja Hill in Gießen an der Technischen Hochschule Mittelhessen bei Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Moos­ecker verfasst, von dem auch die Idee stammte, sich beim Wett­bewerb der hessischen Bauwirt­schaft überhaupt anzumelden. „Zur Preisverleihung in Frank­furt waren alle Teilnehmer ein­geladen. Ich bin dorthin gefah­ren und habe mit nichts gerech­net“, berichtet die 26-Jährige, die nun „Bachelor of Enginee­ring“ ist, und ergänzt: „Es hat mich total gewundert, dass ich mit einer Bachelorarbeit zwi­schen zwei Masterarbeiten ge­landet bin.“

Die Idee, sich mit der Sanie­rung von Fachwerkhäusern aus­einanderzusetzen, kam Hill na­türlich in Mengsberg. „Im Stu­dium musste ich viel rechnen, daher wollte ich mich in mei­ner Arbeit mit etwas auseinandersetzen, in dem dies nicht der Fall ist“, erinnert sie sich. Und wer in seiner Heimat ständig historische Gebäude vor sich hat, der kommt eigentlich nicht Drumherum, sich mit diesen herrlichen

Objekten auseinander­zusetzen. Da­zu führte sie ein Gespräch mit Karlheinz Waschkowitz, dem Leiter der im Zuge des Wettbewerbes „Un­ser Dorf hat Zukunft“ gegründe­ten Arbeitsgruppe „Baugestal­tung / Bauentwicklung“ – und schon stand der Themenkom­plex fest. „Bei Fachwerkhäusern drückt jedes Gebäude für sich etwas aus. Jedes hat seinen eigenen Charakter“, sagt Hill und fügt hinzu: „Irgendwann wird es kei­ne Bauplätze mehr geben – und spätestens dann geht es wieder in Richtung Sanierung.

Noch sind in Mengsberg zwar eini­ge Baulücken vorhanden -ein Neubaugebiet sieht das Dorf nicht als notwendig an. Und falls es in das Hessische Dorfentwicklungsprogramm auf­genommen wird, darf ohne kei­nes mehr ausgewiesen werden.

Was jedoch vorhanden ist, sind – neben der neuesten Expertin – gute Beispiele für ge­lungene Sanierungen: Als der östlichste Ort des Landkreises in den 1980er Jahren an der „Dorf­erneuerung“ teilnahm, wur­den vier ehemalige Scheunen oder Ställe in Wohnräume um­gestaltet. Und diese sind echte Schmuckstücke.

Hill jedenfalls kehrt nun von Gießen nach Mengsberg zu­rück – verfasst aber zunächst noch eine Masterarbeit. Ob sie selbst irgendwann in ein Fach­werkhaus zieht, weiß sie noch nicht. Sicher ist für sie indes, dass Wasser der große Feind solcher Gebäude ist. Es könne Bal­ken zerstören, Steine angreifen, Gefache auswaschen und vie­les mehr, erläutert sie einen der Schlüsse ihrer Arbeit.

Ein weiteres Probleme, das bei sanierungsbedürftigen Fach­werkhäusern zumeist vorhan­den ist, sei mangelhafte Däm­mung. Doch all dies müssten Menschen, die in ein solches Gebäude ziehen wollen, eben­so wenig fürchten wie Auflagen des Denkmalschutzes – es ge­be schließlich auch verschiede­ne Fördermöglichkeiten. Und selbst scheinbar hoffnungslose Fälle müssen laut Hill nicht un­bedingt abgeschrieben wer­den: „Wenn der Laie sagt, dass ein Haus im Eimer ist, dann sagt der Profi oftmals: „Da kann man noch etwas machen/ Man muss es eben Stück für Stück angehen.“

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