Plastik und Kartoffeln sind tabu

„Dörnbergs Recken“ ließen im Neustädter Bürgerpark das Mittelalter wieder aufleben
Wie haben die Menschen vor rund einem Jahrtausend gelebt? Das haben Hunderte am Wochenende im Neustädter Bürgerpark nachgestellt- beim zweiten Junker- Hansen-Mittelaltermarkt.
von Yanik Schick
Neustadt. Beim Gang durch den Bürgerpark fühlt sich der Besucher zurückversetzt in eine andere Zeit. Links und rechts sind Zelte aufgebaut, Menschen in Tunika und Leingewändern kochen Mittagessen, nähen Kleider oder schießen mit Pfeil und Bogen. Was es nicht zu sehen gibt sind Smartphones oder auch Luftmatratzen, die sich von alleine aufpusten. So oder so ähnlich muss das Leben im Mittelalter ausgesehen haben.

„Andere fahren in den Camping-Urlaub. Wir haben eben das hier – es ist so ein bisschen unsere eigene kleine Welt“, sagt Jessica Schwerin. Die Frau aus Herborn knetet gerade den Teig für ein Fladenbrot. Das wird danach über offenem Feuer zubereitet. Etwa 30 Leute werden später mitessen. „Das Schöne hier ist die Gemeinschaft – und der Bezug zur Geschichte“, erklärt Schwerin. Wie sie sind hunderte Mittelalter-Fans an diesem Wochenende in den Neustädter Bürgerpark zum Mittelaltermarkt gekommen, den „Dörnbergs Recken“ ausrichten. Die Teilnehmer eint die Leidenschaft für die Epoche und das Ziel, das Leben von damals möglichst detailgetreu nachzustellen. So wie Michael Seidel von „Lupa Alba“, einer Gruppe aus Marburg und der Umgebung. „Es steckt schon gewisser Anspruch dahinter“, erzählt er und ergänzt: „Die Frage ist, schaffen wir es, dass wir keine Gegenstände um uns herum haben, die nicht ins Mittel- alter gehören? Also zum Beispiel Sachen aus Plastik.“
Dieser Anspruch zieht sich durch den kompletten Alltag. Angefangen bei der Kleidung – es werden fast nur handgenähte Stoffe getragen – bis hin zum Essen. Es wird viel mit Linsen, Getreide und Zwiebeln gearbeitet. Ganz wichtig: Kartoffeln sind tabu. „Die kamen erst später“, erklärt Michael Seidel.
Während des Wochenendes wurden außerdem noch Ritterkämpfe nachgestellt, Schmiede, Minnesänger und Feuerspucker traten auf und zeigten ihr Handwerk. Für die Besucher des Bürgerparks gab es also auch einiges zu sehen und zu erleben.

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