Stadt muss 70.000 Euro nachschießen

Stadt muss 70.000 Euro nachschießen
Sanierung des Historischen Rathauses kostet 286.000 Euro – Die Treppe frisst weitere 50.000 Euro
„Historische Gebäude sind schön, aber teuer“ ächzt Bürgermeister Thomas Groll, der sich weitere überplanmäßige gaben für die Sanierung des Historischen Rathauses und des Zollhofs genehmigen lassen musste.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. 51 000 zusätzliche Euro benötigt die Stadt für Investitionen ins Historische Rathaus, weitere 21 000 nicht vorhergesagte Euro braucht sie für die Sanierung der Außenfassade des Zollhofs.
Die Geschichte der Sanierung des Historischen Rathauses ist lang. Ursprünglich hatte sie mit einer Routineuntersuchung und einem niedrigen fünfstelligen Betrag angefangen. Letztendlich wurde das Projekt mehr als zehn Mal so teuer – weil bei der Instandsetzung im vergangenen Jahrtausend die (aus heutiger Sichtweise) falsche Farbe genutzt wurde (die OP berichtete). Inzwischen geht die Stadt davon aus, dass die Sanierung sie insgesamt 286 000 Euro kostet.

Ursprünglich hatte sie gehofft, dass beim Austausch von Schwellen und Stielen an der Innenseite der Außenfassade keine größeren Schäden zutage kommen – Grund dafür war, dass sie vor rund 30 Jahren mit einer Lehmschale versehen worden waren. „Dies war jedoch eine Fehleinschätzung“, gibt Bürgermeister Thomas Groll zu und berichtetet, dass an fast allen Innenflächen Risse aufgetreten seien.
Und auch bei den Putz- und Malerarbeiten stießen die Bauarbeiter auf Problemstellen: Im Deckenputz im großen Saal des Erdgeschosses gab es erhebliche Hohlstellen, die gefüllt werden mussten und ebenfalls für Mehrkosten sorgten.
Zum Abschluss der Sanierung des Historischen Rathauses wollten die Neustädter die Außentreppe neu verfugen. Das Bauwerk hatte sich gesetzt, und es war Wasser in die Fuge zwischen Treppe und Gebäude gelaufen. „Die Setzungen wurden vermutlich durch den Mörtelverfall am äußeren Sandsteinmauerwerk hervorgerufen“, vermutet Groll. Eine Überprüfung im März zeigte, dass die Treppe daher ebenfalls stark sanierungsbedürftig ist. Entsprechend entschlossen sich die Neustädter, die Treppe vollständig zurückzubauen und nach einer Prüfung der Fundamentierung komplett neu zu errichten. Dabei ist auch das Geländer Thema: Ein Statiker hat ermittelt, dass es nicht standfest ist und entweder ertüchtigt oder ganz erneuert werden muss.
In diesem Zug geht die Stadt auch das Trauzimmer an, in das sie eine Beschattung einbaut – Grund dafür ist, dass die Fensterfront drei Viertel des Tages von der Sonne beschienen wird und die historischen Fenster die Strahlungswärme nicht absorbieren. Da aus Denkmalschutzgründen keine Beschattung außen ans Gebäude montiert werden darf, soll diese innen angebracht werden.
Die Kosten für Treppe und Beschattung belaufen sich auf 51.000 Euro (inklusive 4000 Euro Puffer). Diese sind nicht in den 286.000 Euro für Fachwerksanierung enthalten.
Auch die Sanierung der Fassade des Zollhofs Speckswinkel wird teurer als gedacht. Ursprünglich war die Stadt Neustadt von Baukosten in Höhe von 40 000 Euro ausgegangen. Nach aktuellen Schätzungen geht sie inzwischen von 58 000 Euro aus. „Da es gerade bei Fachwerkgebäuden im Verlauf der Baumaßnahme zu Kostensteigerungen kommen kann, wird eine Sicherheit von 3000 Euro zusätzlich eingeplant“, teilt Groll mit. Mithin mussten die Stadtverordneten eine überplanmäßige Aufwendung von 21 000 Euro genehmigen.
Kurioser Schaden am Jugendraum des Zollhofs
20 Jahre ist der Umbau des Zollhofs her. Nunmehr sind In- standsetzungs- und Instandhaltungsarbeiten an der Außenhülle des Gebäudes notwendig. Am wichtigsten sei „die korrekte Ausbildung des Übergangs vom Massivbauwerk zu den Fachwerkwänden“, betont Groll. Die Fußschwelle sei am Übergang zum Mauerwerk teilweise überputzt worden, was zu Schäden geführt habe. Diese seien erst bei einer Kontrolle mittels Hubsteiger entdeckt worden, da sie von unten nicht sichtbar waren.
Aus der Kategorie „skurril“ ist derweil der Schaden am Jugendraum des Zollhofs. Nach längeren Regenfällen wurde in einer Ecke eine feuchte Stelle entdeckt, an der sich Schimmel bildete. Es folgten verschiedene Kontrollen. Am Ende zeigte sich, dass ein Regenfallrohr in einen gemauerten Schacht führte – der allerdings nicht an den Kanal angeschlossen war. Dies ließ die Stadt beheben. Die feuchten Stellen sind wieder trocken. Die Neustädter gehen nun davon aus, dass das Problem behoben ist. Mit 1000 Euro fielen die Kosten für dieses Projekt vergleichsweise eher gering aus.

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