Rund 5,8 Millionen Euro fließen in den Bau einer neuen Kindertagesstätte
Von Florian Lerchbacher
Neustadt.
Die eine Kindertagesstätte in Neustadts Kernstadt wurde vor wenigen Jahren neu gebaut, die andere liegt nach einem Wasserschaden quasi in Trümmern – und bei der dritten, die seit vielen Monaten geplant wird, hat nun der Bau begonnen. Rund 5,8 Millionen Euro fallen für das Projekt insgesamt an, fast 700.000 Euro davon sind bereits geflossen: 12.000 Euro hatte die Stadt vor zwei Jahren für den Hartplatz der ehemaligen Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne und einen Teil der Hindernisbahn an die Bundesanstalt für Immobilienmanagement gezahlt. Ein Schnäppchen für ein 2,4 Hektar großes Areal, wie Bürgermeister Thomas Groll betont, denn Neustadt habe von der Vergünstigungsrichtlinie des Bundes für den Ankauf von Konversionsflächen (also ehemalige militärische Anlagen, die künftig zivil genutzt werden) durch Kommunen profitiert. So habe sie mehr als 120.000 Euro gespart.
62 neue Betreuungsplätze
Weitere 670.000 Euro wurden bereits in infrastrukturelle Arbeiten wie die Erschließung und die Schaffung einer Zufahrt investiert. Zudem errichtete die Stadt „aufgrund einer vertraglichen Auflage“, wie Groll betont, einen drei Meter hohen Zaun mit Übersteigschutz an der Grenze zur Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete.
Doch nun beginnt der eigentliche Bau der Kindertagesstätte. Am symbolischen ersten Spatenstich wirkten dabei nicht nur Kommunalpolitiker und Vertreter der am Bau beteiligten Firmen sowie des in Neustadt bereits bei zahlreichen Projekten involvierten und auch dieses Mal wieder für die Planung zuständigen Architekturbüros Schmidt und Strack mit, sondern auch Jungen und Mädchen aus der Kita Sonnenschein und dem Waldkindergarten. Denn beide Einrichtungen werden von dem Neubau profitieren.
„Die neue Kita wird richtig groß und schön und bekommt ein riesiges Außengelände“, versprach Groll den Kindern und der designierten Leiterin Irina Wiens. Das Gebäude bekommt eine Grundfläche von rund 900 Quadratmetern und wird vier Gruppen beherbergen: Eine ist für U-3-Kinder gedacht, zwei weitere werden altersgemischt (2 bis 6 Jahre) sein. So entstehen 62 neue Plätze, die sich durch sogenannte Integrationsmaßnahmen oder zweijährige Kinder aber noch verringern können. Der vierte Gruppenraum ist als Schutzraum für den Waldkindergarten gedacht. Die bisherige Waldgruppe werde mitsamt ihrem Bauwagen in die neue Einrichtung (für die es noch keinen Namen gibt) ziehen und als „Naturgruppe“ ein Bestandteil werden, so Groll. Das habe auch den Vorteil, dass die „organisatorischen Herausforderungen“ wie Krankheitsvertretungen der bisher eingruppigen Einrichtung der Geschichte angehörten.
Stadt hinkt Anforderungen hinterher
„Wir haben in Neustadt einen größeren Bedarf an Krippenplätzen und erfüllen den Rechtsanspruch noch nicht“, erinnert der Rathauschef an die Gründe für den Neubau. Derzeit besuchen 40 Kinder unter drei Jahren Neustadts Kitas – es könnten aber bis zu 130 sein. Und die Zahl werde vermutlich noch deutlich steigen, wenn endlich das Neubaugebiet „Stückertriesch“ zur Umsetzung komme – was hoffentlich im Jahr 2027 endlich geschehe, wie Groll sagt und dabei mit einem imaginären Zaunpfahl in Richtung der privaten Investoren winkt.
Die Arbeiten an der neuen Kindertagesstätte dauern laut Planungen wahrscheinlich bis zum Jahr 2028. Diese Zeit will die Stadt nutzen, um ein Konzept zu schreiben, Personal zu finden und sich bei der Kinderbetreuung „insgesamt neu aufzustellen“, so Groll. Die Bruttobaukosten beziffert er auf 5,1 Millionen Euro und hofft dabei, dass es während der Umsetzung nicht zu Steigerungen kommt. Die Erschließung jedenfalls sei günstiger als geplant gewesen: „So kann es ruhig weitergehen.“
2,5 Millionen Euro werden finanziert durch ein zinsverbilligtes Darlehen des Landes aus einem Sonderprogramm für den Ausbau der Kinderbetreuung, 1,4 Millionen Euro kommen über das Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz, den Rest steuert die Kommune bei. Das Geld bezeichnet Groll als gut investiert, denn die neue Kita sei ein wichtiger neuer Baustein für die Zukunftsfähigkeit Neustadts als Wohnstadt.
Der Bürgermeister warf auch einen Einblick auf das Sorgenkind „Sonnenschein“: In der Kindertagesstätte gab es vor gut einem Jahr einen größeren Wasserschaden. Seit einigen Monaten sind die einzelnen Gruppen ausgelagert. „Die ganze Sache dauert leider sehr lang“, sagt Groll und verweist auf die Gespräche mit der Versicherung. Bauliche und juristische Fragen machten die Angelegenheit nicht einfach.
Neubau des Sorgenkindes?
Vieles spreche jedenfalls dafür, dass nach dem „Regenbogen“ auch der „Sonnenschein“ neu gebaut werden müsse: „Denn da ist nicht nur der Wasserschaden mit allen seinen Folgen, sondern auch das Dach, der anstehende Austausch von Türen und Fenstern, die Zwischendecke, die veraltete Elektronik und der nicht mehr zeitgemäße Gebäudezuschnitt.“

