Neustädter Mitteilungsblatt

Aus der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Neustadt/Hessen

Mitteilungen des Magistrates Kommunale Finanzen
Nach Verabschiedung des I. Nachtrags hat die Oberfinanzdirektion (OFD) Frankfurt mitgeteilt, so Bürgermeister Thomas Groll, dass die Kommune rund 110.000 Euro mehr an Einkommenssteuern erhält, als im Etat festgehalten. Aufgrund der deutlich gestiegenen Gewerbesteuer erhöht sich im Gegenzug die Gewerbesteuerumlage um etwa 10.000 Euro. Mithin beläuft sich die Verbesserung des städtischen Haushaltes auf 100.000 Euro. Das sei eine sehr erfreuliche Zahl, so Groll.
Städtebauförderungsprogramm „Aktive Kernbereiche in Hessen“
Die Stadt Neustadt hatte sich mit 60 weiteren Kommunen um die Aufnahme in das neue Städtebauförderungsprogramm „Aktive Kernbereiche in Hessen“ beworben und dazu ein entsprechendes Konzept mit dem Sanierungsträger Hessen Agentur erarbeitet. Am 9. Oktober 2008 teilte das Wirtschaftsministerium mit, dass die Bewerbung negativ beschieden worden sei, so Bürgermeister Thomas Groll. Gründe hierfür wurden nicht mitgeteilt. 15 Kommunen wurden in das Programm aufgenommen. Diese sind bis auf eine Ausnahme, sämtlichst größer als Neustadt. Diese Entscheidung der Jury gegen Vorhaben in ländlich strukturierten Regionen sieht das Stadtoberhaupt sehr kritisch. Als das Förderprogramm im Frühjahr vorgestellt wurde, hieß es zunächst, dass in den kommenden Jahren mehrfach Kommunen aufgenommen werden. „Wir gingen ursprünglich von einer Bewerbung für das Jahr 2010 aus und stellten unsere Planungen darauf ab, wie das Stadtentwicklungsgutachten usw.. Zwischenzeitlich wurde uns dann mitgeteilt, dass nur in 2008 eine Aufnahme erfolgt und es sich quasi um ein einmaliges Programm handelt. „Neustädter Mitteilungsblatt“ weiterlesen

Sie riefen „Jude raus!“ und „Jude verrecke!“

Auschwitz-Überlebende erinnert sich an Kindheit in Momberg „In der Reichspogromnacht bin ich erwachsen geworden“
Ihr Blick gleitet hinaus auf die Straße. Menschen gehen vorbei und lachen. „Es fällt mir schwer davon zu erzählen“, sagt Gisela Spier-Cohen. „Aber ich habe es versprochen.“
von Nadine Weigel
Momberg. Sie wollte nicht mehr leben. Damals im Zug, 1945. Ihre Eltern waren tot. In Auschwitz vergast worden. Gisela Spier-Cohen war allein, ohne Hoffnung und am Ende ihrer Kräfte. Sie wog nur 21 Kilo. Sie wurde ohnmächtig. Damals im Zug nach Mauthausen.
„Doch meine Freundin hat mich geohrfeigt“‚, erzählt Gisela Spier-Cohen heute. „Sie sagte, ich dürfe nicht sterben. Ich müsse am Leben bleiben, um den Menschen davon zu erzählen. Keiner würde sonst erfahren, was wir durchgemacht haben.“
Gisela Spier-Cohen überlebte. Und heute erzählt sie. Von Theresienstadt. Von Auschwitz. Von dem, was der aufgeklärte Geist kaum zu fassen vermag – vom Holocaust. „Sie riefen „Jude raus!“ und „Jude verrecke!““ weiterlesen

Kurz hilft beim Streitschlichten

Mengsberger ist neuer stellvertretender Schiedsmann für Neustadt
von Klaus Böttcher
Neustadt. Der Mengsberger Karlheinz Kurz wurde kürzlich zum stellvertretenden Schiedsmann für den Schiedsamtsbezirk Neustadt mit seinen drei Stadteilen vereidigt.
Der Magistrat schlägt einen Schiedsmann und seinen Stellvertreter vor, anschließend gibt die Stadtverordnetenversammlung ihr Votum ab, das dann die Justiz bestätigen muss. Für den Bereich Neustadt ist seit vielen Jahren Nikolaus Petri der Schiedsmann. Der Mengsberger Ortsvorsteher Karlheinz Kurz wurde jetzt von der stellvertretenden Gerichtsdirektorin Lydia Schmieling im Kirchhainer Amtsgericht für fünf Jahre vereidigt, nachdem sie ihm seine Aufgaben und die gesetzlichen Grundlagen erklärt hatte. Die gesetzliche Grundlage ist das hessische Schiedsamtsgesetz. Danach ist es vorgeschrieben, dass bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, Auseinandersetzungen mit einem Streitwert von weniger als 750 Euro und bei Streitigkeiten, bei denen es um die Ehre geht, das Schiedsamt angerufen wird. Die Schiedsmänner können Streits schnell und kostengünstig schlichten, zudem entlasten sie die Gerichte.
Der Schiedsmann wird je nach Schiedsamtsbezirk etwa fünf bis zehn Mal pro Jahr angerufen. Was das Schiedsgericht festhält, ist bindend. Karlheinz Kurz hat sich nach eigenen Angaben gut auf sein neues Amt vorbereitet: er habe sich im Internet informiert und andere Schiedsmänner befragt.

Auf den Spuren von Junker Hans

Hobby-Historiker will Grab gefunden haben
von Florian Lerchbacher
Neustadt. Die Stadt hat Hans von Dornberg viel zu verdanken, Trinitatis-Kirche oder das Wahrzeichen der Stadt sind nur zwei Beispiele. Entsprechend halten die Neustädter das Andenken in Ehren. So auch Hobby-Historiker Hans-Erich Dingel, der sich auf die Suche nach der Grabstätte von Junker Hans machte – denn es ist nur bekannt, dass Hans von Dörnberg im Jahr 1506 in Friedberg starb. Er war dorthin aufgrund von, wie sich später herausstellte, ungerechtfertigten Anschuldigungen geflohen. Wo er genau begraben liegt, ist unklar.
Dingel glaubt indes, des Rätsels Lösung gefunden zu haben. Zunächst begann er seine Recherche am Geburtsort in er Nähe von Allendorf an der Werra. Später schrieb der Neustädter das Stadtarchiv von Friedberg an, um einige Unterlagen zu erhalten, in denen er auf eine Beschreibung von Ferdinand Schanzmann aus dem Jahr 1836 stieß. Dieser berichtete von einer Messing-Inschrift neben 24 Wappen in der St.-Georg-Kir-che: „(…) uff den heiligen Osterabent starb der Vest Hans der Alt von Doringenbergk hoffmeister zu hessen dem Gott gnade.“
„Ob Schanzmann, der beim Abbruch der Kirche 16 Jahre alt war, eigene Beobachtungen niederschrieb oder die Beobachtungen eines anderen verwendete und bearbeitete, lässt sich nicht feststellen“, sagt Dingel, folgte aber weiteren Hinweisen des Autors nach Grabplatten im Garten, die bei der Zerstörung des Gotteshauses im 19. Jahrhundert verschont blieben. „Die Beschreibung war für mich ein Ansatzpunkt. „Auf den Spuren von Junker Hans“ weiterlesen

Haus der Begegnung bleibt ein hoher Kostenfaktor

Planungsbüro legen weitere Schätzungen vor Bürgermeister will jährlich in die Sanierung investieren
Die Stadt Neustadt steht in den nächsten Jahren vor einer „Herkulesaufgabe“. Sie muss das Haus der Begegnung sanieren. Planungsbüros haben eine Kostenübersicht erarbeitet.
von Michael Rinde
Neustadt. Die Gesamtsumme ist horrend: 1,8 Millionen Euro Sanierungskosten hat das Ingenieurbüro Stamm aus Schweinsberg errechnet. In dieser Summe sind allerdings auch die wünschenswerten Arbeiten am Haus der Begegnung enthalten – und die machen allein 1,16 Millionen Euro aus.
In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Bauausschuss nach einer Begehung mit der Liste. Rund 214 000 Euro muss die Stadt in jedem Falle für die zwingenden Arbeiten aufbringen. Auf der Prioritätenliste weit oben steht zum Beispiel der Brandschutz. So sind neue Brandschutzklappen nötig. Die Lüftungsanlage muss insgesamt auf den aktuellen Stand der Brandsicherheit gebracht werden. Allein das kostet 80 000 Euro. Mit den Vorarbeiten will die Stadt noch in diesem Jahr beginnen.
Auf der Liste der technisch sinnvollen Sanierungsarbeiten stehen die Heizungstechnik, die Erneuerung von Schaltanlagen oder der Eingangstürelemente, um nur einige Beispiele zu nennen. „Haus der Begegnung bleibt ein hoher Kostenfaktor“ weiterlesen

Neustadt traut sich ins Gebälk

Stadt startet mit Bürgerbefragung / Standesbeamter besiegelt auch im Turm
Neustadt (aws). Bürgermeister Thomas Groll (CDU) beschreitet in Neustadt neue Wege. Groll will seine Bürger noch stärker einbinden, wenn es um Veränderungen in der Stadt geht. Dazu hat die Stadtverwaltung in diesen Tagen eine Fragebogenaktion gestartet. Mit der Aktion soll ein möglichst großer Querschnitt durch die Bevölkerung erreicht werden.
Gezielt angeschrieben und befragt werden zum einen Personen, die durch ihre politische, kirchliche, soziale, kulturelle, Vereinsfunktionen oder sonstige Tätigkeiten mit dem gesellschaftlichen Leben der Stadt verbunden sind. Daneben sollen Bürger als Experten einbezogen werden. Denn auch jeder andere, der eigene Vorstellungen zur bisherigen und zukünftigen Stadtentwicklung hat, kann seine Meinung in dem Fragebogen äußern. Er ist ab sofort im Rathaus, bei den Banken oder ortsansässigen Geschäften sowie bei den Ortsvorstehern der jeweiligen Ortsteile erhältlich.
■ Bürgermeister will ein ehrliches Gutachten für die Stadtentwicklung
„Wir rechnen mit einer hohen Rücklaufquote, bemerkte Groll bei der Vorstellung des Fragebogens. In dem Bogen sollen die Bürger Fragen zur Attraktivität von Neustadt, Erscheinungsbild, Freizeit und Tourismus, Kinder-, Jugendlichen und Seniorenarbeit sowie Einkaufsverhalten beantworten. „Neustadt traut sich ins Gebälk“ weiterlesen

Anonyme Gräber, neue Totenkultur

Neustadt will Friedhofsordnung ändern
Die Stadt Neustadt plant einige Änderungen an der Gebührenordnung des Friedhofs.
von Nadine Weigel
Neustadt. Es wummerte noch einmal auf dem Friedhof in Neustadt. Mit schwerem Gerät brachten Bauhofmitarbeiter gestern die letzten Steine in den Boden vor der neuen Urnenwand ein.
Grabstätten sind die ältesten Zeugnisse menschlicher Zivilisation überhaupt. In Neustadt möchte Bürgermeister Thomas Groll eine neue „Totenkultur“ etablieren. Zum Beispiel mit der 40 000 Euro teuren Urnenwand und einem anonymen Gräberfeld. In der Wand bieten 48 Nischen Platz für je zwei Urnen. „Wir hatten immer wieder Anfragen von Angehörigen“, begründet Groll den Schritt. Initialzündung sei eine Unterschriftenaktion gewesen, mit der sich Bürger für eine Urnenwand aussprachen.
Am Montag nun brachte der Magistrat einen Vorschlag für eine neue Friedhofsordnung und die Neufassung der Friedhofsgebührenordnung im Parlament ein. „Wir reagieren damit auf eine veränderte Gesellschaft“, sagt Groll.
Diese Begründung akzeptieren auch die Bürger. Auf dem Friedhof ist die Urnenwand Gesprächsthema: „Es sieht ja gar nicht schlecht aus“, sagt ein
Neustädter, der drei Gräber zu pflegen hat. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, sich regelmäßig um die Grabpflege zu kümmern. „Wenn man aber niemanden mehr hat, ist so eine Urne schon praktischer“, weiß der Mann. „Anonyme Gräber, neue Totenkultur“ weiterlesen

Neustädter planen viel Neues

Die Zweite Auflage des Nikolausmarktes steigt am 6. Dezember
Die Organisatoren des Nikolausmarktes haben sich für die zweite Auflage einige Neuerungen einfallen lassen.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. Rund 60 Hobbykünstler, Gewerbetreibende und Vereine haben ihre Teilnahme am zweiten Neustädter Nikolausmarkt (6. Dezember) zugesagt – fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. „Den hatten wir ja auch anlässlich der Wiedereröffnung der Marktstraße kurzfristig organisiert“, relativiert Klaus Groll, während Bürgermeister Thomas Groll ergänzt: „Das spricht für die gute Resonanz, die der Markt im vergangenen Jahr bei Besuchern und Ausstellern gefunden hat.“
Die Verantwortlichen bei der Stadt haben aus der Premiere gelernt: Der Markt beginnt um 12 Uhr und somit eine Stunde später als im Jahr 2007. Dafür dauert er länger, und zwar bis in die Abendstunden (etwa 20 Uhr).
Mehrere heimische Kapellen -die Mengsberger Bläser, das Jugendblasorchester Neustadt, die Junker-Hansen-Musikanten und die Jungen Musikanten aus Erksdorf – spielen an verschiedenen Stellen auf, zudem ist als Abschluss um 19 Uhr ein vorweihnachtliches Konzert in der Pfarrkirche vorgesehen. „Neustädter planen viel Neues“ weiterlesen

Neustädter Mitteilungsblatt

„Zukunft braucht Erinnerung“,

das Wort des ungarischen Schriftstellers György Konräd haben der Magistrat der Stadt Neustadt und der Kulturhistorische Verein als Leitmotiv einer Gedenkstunde anlässlich der Pogromnacht vor 70 Jahren ausgewählt
Bürgermeister Thomas Groll konnte unter den Gästen den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Marburg Amnon Orbach und seine Stellvertreterin Monika Bunk, sowie Pfarrer Arnulf Hummel, Pfarrerin Kerstin Kandziora, den Ersten Stadtrat Werner Kappel und Stadtverordnetenvorsteher Norbert Krapp begrüßen. Sein Dank galt Bert Dubois, der sich um die Vorbereitung der Veranstaltung und der Ausstellung verdient gemacht habe. Er erinnerte an die Pogromnacht, in der auch in Neustadt jüdische Mitbürger Neustädter spontanen Übergriffen ausgesetzt waren. „Wir sind hier zusammen gekommen, um der Opfer jener Ereignisse zu gedenken und wir wollen uns daran erinnern, zu welchen grausamen Verbrechen Menschen fähig waren“, so Groll. „Auch wenn wir, die Generation der Nachgeborenen, keine Schuld an den schrecklichen Geschehen der Jahre 1933-1945 tragen, so bekennen wir uns doch zur Vergangenheit unserer Nation, denn die Geschichte unseres Volkes ist auch unsere Geschichte. Zum Erinnern gehört auch, dass man etwas über die Geschichte des Judentums in unserem Land weiß, dass einem Religion und Kultur der Juden nicht völlig fremd sind. Juden und Deutsche, sie lebten nebeneinander, miteinander aber auch gegeneinander. Unsere Hoffung ist, dass wir alle aus der Geschichte lernen und es zukünftig nur ein friedliches Miteinander geben möge.“ „Neustädter Mitteilungsblatt“ weiterlesen

Abwassergebühren in Neustadt steigen um 70 Cent auf 4,70 Euro

von Nadine Weigel
Neustadt. Während der Stadtverordnetenversammlung am Montag teilte Bürgermeister Thomas Groll mit, dass der Zweckverband der Mittelhessischen Abwasserwerke (ZMA) beschlossen hat, die Abwassergebühren für den Bereich Neustadt von 4 Euro auf 4,70 Euro pro Kubikmeter zu erhöhen.
Groll informierte auch darüber, dass der Zweckverband Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) beabsichtigt, den monatlichen Wassergrundpreis ab 1. Januar 2009 von fünf auf sechs Euro anzuheben. Der ZMW begründe die Anhebung der seit fünf Jahren stabilen Gebühr unter anderem mit deutlich gestiegenen Energiekosten.
Groll teilte weiter mit, dass die Kommune rund 110 000 Euro mehr an Einkommensteueranteilen erhält, als im Etat vorgesehen. Aufgrund der deutlich gestiegenen Gewerbesteuer erhöht sich im Gegenzug die Gewerbesteuerumlage um etwa 10 000 Euro. So verbessert sich der Haushalt auf 100 000 Euro.
Im Parlament teilte Neustadts Bürgermeister auch mit, dass die Junker-Hansen-Stadt zukünftig von den Stadtwerken Marburg Ökostrom beziehen werde. Zudem denkt Groll darüber nach, eine Forstrücklage zu bilden, um „Geld für schlechte Zeiten zu haben“. Bisher wurden 14 000 Festmeter Holz eingeschlagen – 100 Prozent mehr als üblich. Der Erlös beläuft sich auf 520 000 Euro. „Abwassergebühren in Neustadt steigen um 70 Cent auf 4,70 Euro“ weiterlesen