Neustadt lebt die „Soziale Stadt“

Nachbarn lernen sich beim Spielplatz-Mitmachprojekt kennen, schätzen und wollen Gemeinschaft pflegen
Innerhalb von einer Woche bauten die Neustädter in der Emil-Rößler- Straße mit der Unterstützung von Handwerks- Pädagogen einen Spielplatz und weihten ihn mit einem bunten Fest ein.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. Was in der vergangenen Woche auf der Grünfläche in der Emil-Rößler-Straße passierte, ist durchaus beeindruckend: Bürger bauten gemeinsam einen abwechslungsreichen Spielplatz – lernten sich dabei erst richtig kennen, kommunizierten, und eine Gemeinschaft wuchs zusammen. Wo sich die Menschen früher maximal freundlich grüßten, gibt es nun eine echte Nachbarschaft – die auch eine Anlaufstelle hat, um diesen neuen Zusammenhalt zu pflegen. Die Anlage ist schließlich nicht nur Spielplatz,
sondern auch Treffpunkt.
Quartiersmanagerin Svetlana Nerenberg ist überglücklich, denn das Spielplatz-Projekt, wie die Neustädter es umsetzten, entspricht exakt dem Kerngedanken des Förderprogramms „Soziale Stadt“: Es soll bei den Bürgern Interesse für die Heimat wecken, sie zusammenbringen und die Gemeinschaft fördern. Das hat geklappt. Nun planen die Anwohner bereits, gemeinsam am Spielplatz weiter zu basteln: Sie planen, die Begrünung des Geländes zu verbessern und wollen sich regelmäßig an „ihrem Werk“ treffen.
Mit Unterstützung der Handwerkspädagogen der Alea GmbH aus Marburg bauten die Neustädter den Spielplatz. Bis zu 50 waren im Einsatz. „Wir wurden hier herzenswarm aufgenommen und aufs Feinste verpflegt“, lobte Andreas Bo- stroem und äußerte die Hoffnung, dass die Bürger ihre neue Beziehung weiter vertiefen. Der Einsatzwille habe ihn beeindruckt, ergänzte er und stellte heraus, dass sich die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten engagiert hätten. „Ein Senior, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, war an allen Tagen von morgens bis abends
hier. Er konnte zwar selber nicht mit anpacken, aber er lobte die zahlreichen Helfer. Das war toll. Jeder gibt eben, was er kann. Und so haben sie sich in gemeinsamer Arbeit ein kleines Paradies geschaffen.“ Bürgermeister Thomas Groll erinnerte daran, dass die Stadt in der Leipziger Straße bereits einen Spielplatz über die „Soziale Stadt“ erneuern ließ: „Dort fragten wir, wie sich die Bürger ihren Spielplatz vorstellen. Hier gingen wir noch einen Schritt weiter. Einige nahmen sich Urlaub, um helfen zu können. Die Bewohner der Emil-Rößler-Stra- ße haben Vorbildliches geleistet und sollten Vorbild für die anderen Quartiere sein.“ Er kündigte an, „dieses System“ auch beim Spielplatz „In der Aue“ zu nutzen. „Ich war zunächst sehr skeptisch“, erinnerte sich Sandra Ramge, die sich um die Verpflegung der Handwerker gekümmert hatte. Doch sie sei eines Besseren belehrt worden, habe viel Spaß gehabt und hoffe, „dass die Verbindung bleibt und sich ausbreitet“.

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