Wenn Sprache unnötig ist

Malen fungierte auf „Sehreise“ als Alternativkommunikation
Im Neustädter Rathaus sind derzeit Bilder zu sehen, die während der „Sehreise II“ entstanden sind – einem Malprojekt, das die Menschen zusammenbringen soll.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. „Das gemeinsame Malen ist eine Alternativkommunikation“, betont Dr. Stefanie Alexa Stork. Entsprechend
war Sprache beim von ihr betreuten Projekt „Sehreise 11″ Nebensache – vor allem dann, wenn ein Austausch mit Worten gar nicht möglich war. Zum Beispiel ging die „Sehreise“ in die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge nach Neustadt, wo Einheimische und Geflüchtete gemeinsam malten. Eine Teilnehmerin dort freute sich, eine Ablenkung vom Alltag in der ehemaligen Kaserne zu bekommen und Zeit zu haben, zu sich zu finden – aber eben auch, um Neustädter kennenzulernen.
Die „Sehreise“ führte aber auch nach Kehna, Lohra, Fronhausen und Marburg und brachte Menschen mit und ohne Behinderung sowie Senioren und Kinder zusammen. Dabei entstanden einige beeindruckende Bilder, lobte Neu- stadts Bürgermeister Thomas Groll. Er ergänzte, es seien aber auch einige dabei, bei denen er dachte, dass er diese auch hätte malen können. Eine Auswahl hängt nun im Rathaus – der Rest in der Lutherischen Pfarrkirche in Marburg (unter anderem ein Großteil der Bilder, die in Neustadt entstanden).
Arbeit und Bildung setzte das Projekt um. Die Region Marburger Land stellte aus EU-Lea- der-Mitteln 36 000 Euro zur Verfügung – die unter anderem in eine Dokumentation führten. Entstanden ist ein kleines, buntes Softcoverbuch mit einer Auswahl der Bilder und einer CD mit Kurzfilmen zu den einzelnen Stationen.
„Der Katalog zeigt darüber- hinaus, wie wichtig es war, unterschiedliche Menschengruppen zusammenzubringen und die Lebenswelten der Einzelnen damit zu bereichern“, stellt Rainer Dolle, der Geschäftsführer des Vereins „Arbeit und Bildung“, heraus.

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