Neustadt soll Bürgerverein bekommen

Ziel ist es, Hilfsangebote von Bürgern für Bürger zu initiieren • Infoabend ist für den 25. Februar geplant
Gemeinsam sollen die Bürger der Stadt Neustadt aus verschiedenen Angeboten einen bunten Teppich der sozialen Vielfalt weben. Einige Ansätze gibt es bereits, andere Ideen müssen noch entwickelt werden.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. Schon während der Erstellung eines Altenhilfekonzeptes geistert die Idee, eine Bürgerhilfe einzurichten, durch die Stadt Neustadt. Dieses Angebot von Bürgern für Bürger soll beispielsweise mobile Hilfsdienste nicht etwa ersetzen, sondern ergänzen. Freiwillige bieten eine Art Nachbarschaftshilfe an – größtenteils im niederschwelligen Bereich. Sprich: Sie helfen bei den Aufgaben des Alltages, also beim Putzen, beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen und Behördengängen. Dadurch entlasten sie vor allem die Angehörigen und sorgen dafür, dass diejenigen, denen sie helfen, länger selbstständig in ihrer Heimat bleiben können, oh-
weiterer Zweig des Angebots soll aber auch den Bereich betreffen, für dessen Kosten die Pflegekassen aufkommen.
Im Lahntal oder in Mardorf gibt es solche Bürgerhilfen bereits. In Neustadt soll es sie geben. Einige potenzielle Ehren- amtler haben sich bereits an Svetlana Nerenberg gewandt, die die Federführung übernommen hat, und Interesse an einem solchen Projekt geäußert. Vier Frauen werden sogar an der nächsten Bürgerhelfer-Schulung in Mardorf teilnehmen und sich schon einmal das grundlegende Wissen aneignen.
Schritt für Schritt sollen und wollen die Neustädter diesen Ansatz nun weiterentwickeln. „Es gibt kein fertiges Konzept. Es handelt sich hierbei schließlich um ein partizipatives Projekt“, betont Nerenberg. Will heißen: jeder, der Interesse hat, kann der Entwicklung des Konzeptes teilhaben und sich ein- bringen.
Doch die Bürgerhilfe ist noch lange nicht alles, das zu dem aus verschiedenen Angeboten bestehenden sozialen Neustädter Teppich, den Bürgermeister Thomas Groll gerne mit Helfern weben möchte, gehören soll. Eine weitere Säule soll der Bürgerbus sein, den Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg gemeinsam mit Gerd Leißner und Reinhold Mann derzeit auf den Weg bringt und das Betriebskonzept erarbeitet.
Groll hat zudem die Idee, unter dem Dach eines Bürgervereins auch noch Angebote wie den Speckswinkler Mittagstisch oder das Mengsberger Erzählcafe anzusiedeln. „Nicht, dass ich jetzt falsch verstanden werde: Wir wollen niemandem etwas wegnehmen oder etwas überstülpen.“ Der Ansatz sei, Bestehendes zu integrieren und eben auch Menschen, die nicht aus den jeweiligen Stadtteilen kommen, die Möglichkeit zu geben, die Veranstaltungen problemlos zu besuchen. Beispielsweise per Bürgerbus, der dorthin fahren könnte.
Vor allem glauben er und Nerenberg, einen ganz neuen Ansatz in Neustadt aufgreifen zu können. Es gebe zahlreiche Bürger, die im breiten Vereinsangebot nichts für sich Passendes gefunden hatten, aber an der sozialen Arbeit großes Interesse haben, so die Quartiersmanagerin. „Wir müssen schauen, wer sich engagieren will und ihre Talente finden“, ergänzt Groll und verweist erneut darauf, dass die Bürger das Konzept ihres Hilfe-Vereins mitentwickeln sollen, also auch Ideen für Angebote einbringen können. „Wir entdecken ein ganz neues Feld und wollen ein Portal mit Angeboten schaffen“, betont der Bürgermeister.
Gemäß dem Motto „Lieber gut kopiert, als schlecht selber gemacht“, hat er bereits verschiedene Vereine unter die Lupe genommen und in Eiterfeld einen gefunden, der ihn anspricht: „Miteinander, Füreinander“ schaffe im Fuldaer Raum Begegnungsmöglichkeiten für verschiedene Generationen, organisiert Hilfen zur Bewältigung von Alltagsschwierigkeiten (wie Leih-Omas, Fahrdienste) und vieles mehr. Beispielsweise veranstaltet der Verein auch Erzählcafes, Spielenachmittage, eine Büchertauschbörse oder ein Familienkino, organisiert Vorträge oder eine „Kultur-Küche“. Dieser Ansatz komme dem nahe, was er sich vorstelle, betont Groll und resümiert: „Ein solcher Bürgerverein stärkt das Ehrenamt und ist ein wichtiger Baustein hin zu einer
aktiven Bürgergesellschaft.“
Aus Mardorf ist bekannt, dass ein solcher Verein auch eine geeignete Anlaufstelle benötigt. Die Bürger des Amöneburger Stadtteils haben den Vorteil, dass das ehemalige Schwesternhaus schon immer eine soziale Anlaufstelle im Ort war. In Neustadt gibt es ein solches Gebäude nicht. Er könne sich vorstellen, ein Büro im künftigen Familienzentrum einzurichten – und für die Angebote eine „Perlenkette der Gebäude“ zu nutzen.
Um den Bürgern die Ideen näherzubringen und neue Mitstreiter zu finden, ist für den 25. Februar ein entsprechender Infoabend geplant. Dieser findet ab 19 Uhr im historischen Rathaus statt. Dann stellen Groll und Nerenberg ihre Ansätze vor, zudem werden Vorstandsmitglieder von „Miteinander, Füreinander Marktgemeinde Eiterfeld“ anwesend sein und über ihre Arbeit berichten.

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