Vom Wunsch nach einem Friedhofsgärtner

Kaum ein Bürger sucht das Gespräch mit dem Rathauschef, der sich mitten im Wahlkampf befindet
„Macht mit, geht zur Wahl, gestaltet Neustadt mit“, lautete Thomas Grolls Appell am Ende seines politischen Dämmerschoppens – dem nur Unterstützer seiner politischen Arbeit beiwohnten.
von Florian Lerchbacher
Neustadt. „Im Kleinen läuft es besser als im Großen“, betonte Bürgermeister Thomas Groll zu Beginn seines politischen Dämmerschoppens in der Gaststätte Amstätter. Eine Parallele gibt es aber doch: „Wenn man die Mehrzahl der Facebook-Posts liest, dann müssten wir ein Land sein, dass darniederliegt. Viele Menschen sind unzufrieden, dabei geht es uns so gut wie nie“, sagte er, verwies auf die niedrigen Arbeitslosenzahlen und die geringe Zahl an angezeigten Straftaten in Deutschland.
Ähnlich sieht es in Neustadt aus, wo die wirtschaftliche Lage so gut wie nie ist – bei Facebook eine geringe Anzahl an Bürgern aber dennoch auf dem Rathauschef rumhackt. „Statt zu jammern, sollte man lieber mitmachen“, betonte Groll, der die Kritiker vermisste. Sie verpassten die Chance, das persönliche Gespräch mit dem Bürgermeister zu suchen und eventuell Ideen für die Neustädter Politik einzubringen.
Und so gab es weder Kritik während der Veranstaltung noch wirklich kritische Fragen. Lediglich Wolfgang Ruhl wollte wissen, ob es nach den Kürzungen der finanziell knappen Jahre künftig wieder einen Friedhofsgärtner in Neustadt geben werde. Nur für den Friedhof wahrscheinlich nicht, entgegnete Groll. Er könne sich aber vorstellen, dass es einen Bauhof-Mitarbeiter geben werde, der für den „Friedhof plus einen Umkreis von rund 800 Metern“ zuständig sein soll.
Ansonsten konnte der Amtsinhaber die Zeit nutzen, um an Geleistetes der vergangenen sechs Jahre zu erinnern und auch die Pläne für die mögliche dritte Amtszeit vorzustellen. Er stellte heraus, dass die Stadt inzwischen nicht nur Kredite abbauen und Geld investieren könne, sondern auch Rücklagen bilde. „Ohne einen Euro Schulden machen zu müssen, können wir das Haus der Begegnung neu bauen und das Freibad sanieren.“ Was auch der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu verdanken sei, durch die die Stadt verschiedene Fördertöpfe anzapfen könne.
Groll stellte heraus, wie die Stadt sich durch Investitionen verändern werde – wobei Neustadt nicht mehr die große Industriestadt werde, sondern darauf setzen müsse, eine Wohnstadt zu sein und es den Menschen möglichst angenehm zu machen. „Neustadt ist eine Stadt in Bewegung – was aber nicht alleine Verdienst einer Person ist, sondern die Summe des Engagements der Ehrenamtier, der Vereine, der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik.“
Ein ihm wichtiger Punkt ist, dass er das Angebot der Seniorenarbeit ändern und moderner machen will. Rund 1000 Menschen im Stadtgebiet seien schließlich älter als 75 Jahre: „Wir müssen dafür sorgen, dass sie nicht wegziehen, sondern ihnen ermöglichen, hier alt zu werden.“
Groll ging auch noch einmal auf den Neubau des Hauses der Begegnung ein. Das Haus sei zwar nur rund 40 Jahre alt geworden, aber eine energetische Katastrophe gewesen – mit Heizkosten jährlich von rund 50000 Euro. Noch dazu sei es marode, nicht barrierefrei oder zeitgemäß. „Außerdem wäre es nicht klug, den Schritt des Neubaus zu gehen, wenn man sich vor Augen hält, dass wir von den sechs Millionen Euro, die der Neubau ungefähr kostet, gut fünf Millionen Euro bezahlt bekommen.“ In Richtung Vereine versprach er: „Wir werden Mieten nehmen, die niemanden überfordern.“

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