Neue Wohnformen – wie wollen wir künftig zusammen leben?

Ein hochaktuelles Thema stand im Mittelpunkt der zweiten in­haltlichen Veranstaltung im Kommunalwahlkampf der SPD-Neu­stadt: Im Bistro des Altenzentrums MENetatis diskutierten Bür­gerinnen und Bürger über neue Wohnformen und die Frage, wie wir künftig zusammenleben wollen.
Impulse aus Hessen
Diplomingenieurin Birgit Kasper, Expertin der Landesberatungs­stelle „Gemeinschaftliches Wohnen in Hessen“, stellte verschie­dene Konzepte vor: Gemeinsam ins Alter, Generationenwohnen, Suffizient Leben und Inklusives Wohnen. Ob Mieterwohnprojek­te, Genossenschaften oder Modelle im Einzeleigentum – allen gemeinsam ist, dass sie selbstorganisiert, bedarfsorientiert und gemeinschaftlich gestaltet werden. Die Bewohner entscheiden selbst über Nähe und Distanz. Leitgedanken wie „Luxus liegt im Teilen“ oder „MehrWert im Quartier“ verdeutlichen den sozialen Anspruch.
Kasper machte deutlich, dass gemeinschaftliche Wohnprojekte Antworten auf zentrale Herausforderungen geben: Wohnungs­knappheit, demografischer Wandel, Einsamkeit, Pflege und Kli­makrise. Zudem fördern sie demokratisches Miteinander. Die Landesberatungsstelle unterstützt Gruppen bei allen Schritten – von der Gründung über Rechtsform und Finanzierung bis hin zur Architektur.

Beispiele aus Schwalmstadt

Bürgermeister Tobias Kreuter präsentierte drei konkrete Projekte: – Ein Bauunternehmer plant kleinere Wohnungen mit zusätzlichen Gemeinschaftsräumen, um Kosten und Ressourcen zu sparen.
– Der Wohnhof65 in Treysa umfasst fünf Gebäude auf einem 5.000 qm großen Grundstück mitten in der Altstadt. Hier leben derzeit 16 Erwachsene, zwei Jugendliche und ein Kleinkind – mit viel Raum für weitere Gestaltung.
– Die Genossenschaft „Gemeinsam ins Alter“ hat einen Neubau mit zwölf Wohnungen realisiert.
Kreuter betonte, dass solche Projekte nicht von Kommunen be­schlossen werden können: „Es müssen sich Interessierte finden, dann können wir bei der Realisierung helfen.“

Erfahrungen aus der Praxis

Doris Schäfer vom Projekt „Gemeinsam ins Alter“ aus Schwalm­stadt schilderte den langen Weg zur Gründung ihrer Genossen­schaft. Jeder Bewohner zahlte einen Eigenanteil von rund einem Euro pro Quadratmeter Wohnfläche ein. Die Miete liegt der­zeit bei etwa 12 Euro/m2 – günstiger wird es erst nach Tilgung des Kredits. Dennoch überwiegt die Zufriedenheit: „Für unsere Gemeinschaft zahlen wir diese Miete gern. Regelmäßig treffen wir uns im Gemeinschaftsraum zum Kaffeetrinken, Mittagessen oder Feiern. Jeder kann teilnehmen, keiner muss.“
Bemerkenswert: Rund die Hälfte der Bewohner stammt nicht aus der Region, sondern zog eigens wegen des Projekts nach Schwalm­stadt.

Ausblick

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Plattform der Landes­beratungsstelle auch zur Vermittlung geeigneter Objekte genutzt werden kann – ein wichtiger Baustein für künftige Projekte.
Die SPD-Vorsitzende Christina Hock dankte den Referentinnen und Referenten für den informativen Abend.
Zum Abschluss unterstrich Spitzenkandidat Hans-Gerhard Gat­zweiler, dass das Thema Wohnen in den kommenden fünf Jahren eine wichtige Rolle in der Stadtpolitik spielen werde: „Auch bei der Tagespflege hat es mehr als fünf Jahre gedauert, bis sich Um­setzungsmöglichkeiten ergaben. Das zeigt: Aus Impulsen können langfristig konkrete Lösungen entstehen.“