Solarpark „Struth“ fertiggestellt

Kürzlich wurde der rund 14 ha Solarpark „Struth“ durch die Firma Enerparc aus Hamburg gegenüber der ehemaligen Ernst-Moritz- Arndt-Kaserne in Neustadt errichtet.
Im Rahmen eines Pressegespräches stellten Projektentwickler Simon Henigin und Bürgermeister Thomas Groll das Vorhaben näher vor.
Im dritten Quartal 2019, so Henigin, habe er erstmals Kontakt zum Bürgermeister aufgenommen. Er dankte Groll und den Mitarbeitenden des Rathauses, darunter insbesondere Sachbearbeiterin Silke Nauß, für die vertrauensvolle und professionelle Zusammenarbeit während der Planungs-, Genehmigungs- und Umsetzungsphase mit dem für die Realisierung eines solchen Projektes notwendigen Pragmatismus.
Nachdem im Juni 2020 der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan durch die Stadtverordnetenversammlung gefasst worden war, lag die Baugenehmigung im Oktober 2021 vor. Henigin sprach von einem schnellen Verfahren, an dem die städtischen Gremien und die Stadtverwaltung großen Anteil hätten.
Innerhalb von sechs Wochen wurde die PV-Freiflächenanlage errichtet. Diese besteht aus 32.500 Modulen mit einer Gesamtleistung von 14,3 MWp (Megawatt Peak).
Der Stromertrag beträgt ca. 14 Mio. kWh und sichert damit die Stromversorgung von über 4.000 Haushalten. Das Invest beläuft sich auf rund 8,5 Mio. Euro. Die Anlage soll im 1. Quartal 2022 ans Netz. Die Kommune hat einen geringen Teil eigener Flächen in das Vorhaben eingebracht und profitiert durch Pacht- und Wegeentgelt in den nächsten 20 Jahren von dem Projekt. Simon Henigin dankte allen beteiligten Flächeneigentümern dafür, dass mit ihrer Hilfe der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werden konnte. Aufgrund eines Grundsatzbeschlusses der Stadtverordnetenversammlung musste Enerparc eine Bürgerbeteiligung sicherstellen. Dies geschieht dadurch, dass der ebenfalls vom Unternehmen noch zu errichtende Solarpark „Am Lotterberg“, dessen Genehmigung
zwischenzeitlich auch eingegangen ist, an die Energiegenossenschaft Vogelsberg veräußert wird. Diese wird 2022 hierfür Genossenschaftsanteile anbieten und so Wertschöpfung in der Region ermöglichen.
Die Errichtung des Solarparkes stellt eine ökologische Aufwertung der Flächen dar. Zwischen den Modulen wird diese zukünftig als extensives Grünland (Kräuterrasen) oder durch Schafsbeweidung genutzt. Die umlaufende Eingrünung erfolgt mit standortheimischen Hecken/Gehölzen. Damit geht eine Erhöhung der Biodiversität im Vergleich zur momentanen Nutzung einher. „“ weiterlesen

Rinderwiese wird zu Baugebiet

Neustadts Stadtverordneten trafen im Parlament einige Entscheidungen
Von Florian Lerchbacher
Neustadt. Einen bunten Strauß an Themen behandelten Neustadts Stadtverordnete neben dem Repowering-Projekt (die OP berichtete) während ihrer Novembersitzung. Zunächst bekamen die Freien Wähler Antworten auf Fragenkataloge rund um Extremwetterereignisse und Photovoltaik beziehungsweise Solarthermie. So berichtete ihnen Bürgermeister Thomas Groll beispielsweise darüber, auf welchen kommunalen Gebäuden sich Photovoltaikanlagen befinden – und warum andere Dächer dafür nicht geeignet sind.

Außerdem äußerte er sich zur Frage, ob eine Bürger-Solargenossenschaft für Neustadt erstrebenswert sei: Der Magistrat könne das nicht abschließend beurteilen, erkenne aber kein Interesse aus der Bürgerschaft an der Gründung einer solchen Genossenschaft. Es sei wenn eher sinnvoll, sich einer bestehenden Genossenschaft anzuschließen. Des Weiteren könnte eine Werbe- oder Infoveranstaltung sinnvoll sein, um Privatmenschen zu motivieren, entsprechende Anlagen auf ihren Dächern installieren zu lassen.

Als Nächstes gaben die Stadtverordneten dem Magistrat den Auftrag, sich mit der Anschaffung eines Geschirrmobils zu befassen. Insbesondere für Veranstaltungen im Bürgerpark und vor dem Hintergrund des anstehenden Stadtjubiläums halte er so etwas für sinnvoll, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Dieter Georgi: Es gelte schließlich, aus Gründen des Umwelt- und Ressourcenschutzes weg vom Einweggeschirr zu kommen.

Neue Kehrmaschine angeschafft

Anschließend segneten die Neustädter Kommunalpolitiker das Thema „Landesprogramm Zukunft Innenstadt“ und damit auch eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von bis zu rund 39 000 Euro ab. Hintergrund ist, dass die Stadt über das Landesprogramm bis Ende 2023 Fördermittel in Höhe von bis zu 250 000 Euro beantragen kann – und selber nur zehn Prozent der Kosten beisteuern muss. Allerdings gilt es auch, eine Strategie für die Innenstadt zu erarbeiten. Letzteres ist unter anderem ein Thema der Neustädter Zukunftswerkstätten. „Rinderwiese wird zu Baugebiet“ weiterlesen

Neustädter Mitteilungsblatt

Weihnachtsmarkt hinter Glas

Bereits zum dritten Male hat die Stadt Neustadt (Hessen) die Vitrinen im Foyer des Rathauses leergeräumt und stellt sie lokalen Hobbykünstlern zur Verfügung.
Vom 1.12.2021-7.1.2022 heißt es wieder „Weihnachtsmarkt hinter Glas“.
Damit, so Bürgermeister Thomas Groll, wolle man zweierlei erreichen: die zuverlässigen Beschicker kommunaler Veranstaltungen erhalten eine Möglichkeit die Erzeugnisse ihrer Handarbeit anzubieten und Interessierte haben die Möglichkeit, ein kleines Geschenk zu erwerben oder die eigene Deko zu vervollständigen. Neben Holz-Deko und Weihnachtspyramiden, gibt es Kugelschreiber, Flaschenöffner, selbstgestrickte Strümpfe, Schals und Mützen uvm.
Diesmal nehmen Andreas Dippel, Stefanie Leißner, Andreas Matz, Angelika Metz, Eliane Piddiu-Ripken, Gisela Purwins, Rolf-Dieter Reuscher und Anke Stark teil.
Zudem hat Werner Mann einen kleinen Bücherflohmarkt zugunsten der Kinderkrebshilfe aufgebaut.
Der Weihnachtsmarkt ist zu den Öffnungszeiten des Rathauses geöffnet. Es gilt die 3 G-Regel (geimpft, genesen, getestet).
Ansprechpartnerin ist Sonja Stark, Tel. 8922, Zimmer 2. Kommen Sie gerne vorbei, es lohnt sich.

MENetatis-Seniorenzentrum in Neustadt eröffnet

Die MENetatis GmbH mit Sitz in Bedburg bei Köln besteht seit März 2016. Die mittelständische familiengeführte Unternehmensgruppe ist eine Betreibergesellschaft für die langfristige Anmietung und den Betrieb von Seniorenzentren im gesamten Bundesgebiet, wobei die stationäre Altenpflege das Kerngeschäft bildet.
Am 1. Dezember 2021 hatte der geschäftsführende Gesellschafter Mathias Neumayer gemeinsam mit seiner Ehefrau Elke zur Eröffnung des MENetatis-Seniorenzentrums in Neustadt eingeladen. „Neustädter Mitteilungsblatt“ weiterlesen

Tagespflege bietet älteren Menschen ein vielfältiges Angebot

In den Räumen von „Tagwerk“ können bis zu 20 Senioren backen, spielen und fit bleiben
Von Stefan Dietrich
Neustadt. Es roch nach frisch Gebackenem und die Räume waren weihnachtlich geschmückt, als am Mittwoch zum ersten Mal ältere Menschen in der Neustädter Seniorentagespflege „Tagwerk“ beisammen saßen. „Wir haben heute schon 13 Gäste – bei einer maximalen Auslastung von 20 ist das eine gute Quote“, sagte Martin Krapp, als er Bürgermeister Thomas Groll und den Ersten Stadtrat Wolfram Ellenberg am Eröffnungstag in den neuen Räumlichkeiten begrüßte.

Krapp führt gemeinsam mit Eva Hartmann die Geschäfte von Tagwerk Neustadt. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, eine Hofreite in der Ringstraße zu sanieren und dort eine Tagespflege aufzubauen. Als Zwischenschritt hat Tagwerk nun in angemieteten Räumlichkeiten „An der Ziegelei 7“ eine Tagespflege eröffnet. Das Gebäude gehört zum Seniorenzentrum MENetatis, das ebenfalls am Mittwoch Eröffnung feierte (die OP berichtete). „Tagespflege bietet älteren Menschen ein vielfältiges Angebot“ weiterlesen

Nur zwei Mal oben ohne

Polizei und Ordnungsamt kontrollierten Einhaltung der Corona-Regeln in Neustadt
Von Tobias Hirsch
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Unterwegs mit der Corona-Streife in Neustadt. Einsatzbesprechung am Junker-Hansen-Turm.Fotos: Tobias Hirsch
Neustadt. Die Corona-Lage spitzt sich zu. Die Restriktionen werden kontinuierlich verschärft. Viele Menschen fragen sich: Wie will man das alles kontrollieren – und wer soll es kontrollieren?

Eine Antwort auf diese Fragen bekamen die Bürger in Neustadt: Zusammen mit einem Aufgebot von 16 uniformierten Beamten der Bereitschaftspolizei aus Lich kontrollierten zwei Mitarbeiter des Neustädter Ordnungsamtes die Einhaltung der Abstands- und Maskenregeln in der Junker-Hansen-Stadt.

Dabei hatten die Ordnungskräfte vor allem die Gastronomie, Spielbetriebe, Angebote körpernaher Dienstleistungen und Lebensmittelmärkte im Visier.

Es geht um Präventionswirkung

Der Polizei ging es bei den Corona-Kontrollen in Neustadt vorwiegend um die Präventionswirkung, wie Polizeisprecher Martin Ahlich erklärte: „Die Kontrolle von Corona-Maßnahmen gehört zwar nicht zu unseren ordinären Aufgaben, aber selbstverständlich verschließen wir auch nicht die Augen, wenn gegen diese Vorschriften verstoßen wird.“ Und damit das gar nicht erst passiert, frei nach dem Motto „das wird doch eh nicht kontrolliert“, setzt die Polizei auf ein einfaches aber probates Mittel: Sichtbarkeit. „Ich finde es gut. So sieht jeder: Es wird eben doch kontrolliert“, sagte ein Gastronom.

Auch die Mitarbeiterin einer Spielhalle freute sich über den Polizeibesuch – eine Abwechslung zu den leeren Hockern unter den vergebens blinkendenden Spielautomaten: „Die Corona-Regeln haben alle verschreckt. Hier ist niemand.“ „Nur zwei Mal oben ohne“ weiterlesen

Neues Seniorenzentrum in Neustadt

MENetatis bietet Altenpflegeplätze und seniorengerechtes Wohnen / Enger Kontakt zur Stadt geplant
Von Stefan Dietrich

Neustadt. Ein neues Zuhause für Seniorinnen und Senioren in Neustadt: In der Straße „An der Ziegelei“ hat am Mittwoch, pünktlich zum Monatsanfang, das MENetatis Seniorenzentrum eröffnet. Das neu gebaute Haus bietet 70 stationäre Altenpflegeplätze in Einzelappartements mit Bad und WC sowie im Nachbargebäude zehn Einheiten für betreutes Wohnen, in denen beispielsweise auch Paare Platz finden.
„Wir eröffnen diese Woche unser zwölftes Heim“, sagte MENetatis-Geschäftsführerin Sandra Leps bei der Eröffnungsfeier, „und jedes Mal ist es nochmal schöner geworden.“ Sie zeigte sich erfreut, „wie schnell es gegangen ist – wir hatten erst im Juni 2020 Baubeginn“. Seit Beginn der Planungen sei es darum gegangen, das Heim für die Bewohnerinnen und Bewohner so schön wie möglich zu gestalten – vom Zuschnitt der Räume bis hin zur Auswahl der richtigen Farben. Sie dankte besonders Pflegedienstleiterin Deliah Menzel und Heimleiter Mario Müller, die in den Wochen vor der Eröffnung, als die Möbel kamen, eine „Wahnsinns-Herausforderung“ bewältigt hätten. Beiden überreichte Leps einen Blumenstrauß, ebenso wie Elfriede Müller-Ide, der ersten Bewohnerin des neuen Heims.
Große Feier im nächsten Jahr geplant
Sie ist aber schon nicht mehr die einzige, innerhalb der ersten Woche ziehen bereits zehn Seniorinnen und Senioren ein, berichtete Leps im Gespräch mit der OP.
24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Seniorenzentrum schon – deren Zahl wird mit zunehmender Belegung der 70 Altenpflegeplätze natürlich auch noch steigen.
„Hier wurde in Rekordtempo etwas geschaffen, und man kann sagen: Das Werk ist gelungen“, lobte Bürgermeister Thomas Groll das neue Seniorenzentrum. Der fünfgeschossige, hell und bunt gestaltete Neubau umfasst neben den Einzelappartements Wohn- und Aufenthaltsräume, einen Andachtsraum und eine hauseigene Großküche. Hinzu kommt eine Außenanlage mit Demenzgarten. Das Heim verspricht ein vielfältiges Unterhaltungs- und Beschäftigungsangebot für die Bewohnerinnen und Bewohner und eine private Atmosphäre, in der sich die Intensität der Pflege nach den Bedürfnissen der Seniorinnen und Senioren richtet und sie ein Recht auf Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Privatsphäre haben. „Wichtig ist uns, dass wir für alle Menschen in allen Pflegegraden da sind“, sagte Leps. „Neues Seniorenzentrum in Neustadt“ weiterlesen

Neustädter Mitteilungsblatt

Neustadt 750
Eine NEUe STADT entsteht Gerhard Bieker und Andrea Treisberg verfassten Buch zur Stadtgründung

Ende November wurde im Saal des Historischen Rathauses eine weitere Publikation im Vorfeld des Stadtjubiläums 2022 vorgestellt. Gerhard Bieker und Andrea Freisberg, die bereits vor fast zwei Jahrzehnten gemeinsam die Chronik „Nova Civitas – eine Wanderung durch die Geschichte der Stadt“ verfassten, gingen „mit viel Recherche, Lektüre und großem Wissensdurst“ – so ihre eigene Formulierung im Vorwort – der Frage nach, was es bedeutet, wenn einer Kommune im Mittelalter die Stadtrechte verliehen wurden bzw. wie sich die Stadtrechte auf die Entwicklung eines Ortes auswirken und diesen prägen. Ergebnis dieser fast zweijährigen Forschungen ist das Buch „Eine NEUe STADT entsteht“ mit einem Umfang von knapp 80 Seiten.
Bürgermeister Thomas Groll zeigte sich erfreut darüber, dass er unter den rund 25 Gästen, Corona-bedingt konnten es leider nicht mehr sein, auch Albert-Frederick Freiherr von Dörnberg und „Junker Hans“ Julian Schratz nebst Burgfräulein Marlene Gnau begrüßen konnte.
Groll ging in seinen einleitenden Worten darauf ein, welche Personen eine Kommune „zwingend“ brauche. Neben Pfarrer(in), Lehrer, Handwerker, Kaufmann und Bürgermeister nannte er auch den Chronisten, denn dieser hielte die Historie fest und bewerte diese.
„Wer das Heute verstehen will, der muss auch das Gestern kennen. Dankenswerterweise haben sich Gerhard Bieker und Andrea Freisberg bereits zum zweiten Male dieser wichtigen Aufgabe gestellt. Ihnen ist ein bemerkenswertes Buch gelungen. Danke sei auch der Firma Henrich- Druck gesagt, die für Gestaltung und I Druck verantwortlich zeichnet“, führte der Bürgermeister weiter aus.
Ein „Dankeschön“ galt auch dem Kulturhistorischen Verein Neustadt e.V. und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die beide die Herausgabe des Werkes in großzügiger Weise finanziell unterstützt haben.
Groll wünschte sich abschließend, dass die beiden Autoren „in einigen Jahren“ nochmals zur Feder greifen und erneut zur Neustädter Stadtgeschichte publizieren mögen.
Albert-Frederick von Dörnberg kam gerne Grolls Bitte nach und hielt ein kurzes Grußwort. Dabei verwies er darauf, dass er kein Nachkomme des Hans von Dörnberg sei, denn dieser hatte keine Kinder, sondern ein Nachfahre. Einer der Neffen des Erbauers des Junker-Hansen-Turmes sei vielmehr sein Ahnherr. „Neustädter Mitteilungsblatt“ weiterlesen

Wiera soll sich ihren Weg suchen

Nebenfluss der Schwalm wird im Bürgerpark renaturiert und bekommt eine Fischtreppe
Von Florian Lerchbacher

Neustadt. Die grundlegende Umgestaltung des Bürgerparks schreitet voran. Derzeit laufen die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt, in dem sich die Stadt Neustadt insbesondere der Wiera widmet.
In unmittelbarer Nähe des Kultur- und Bürgerzentrums lässt die Kommune eine Fischaufstiegsanlage bauen. Das vorhandene Wehr sei als „unpassierbares Wanderhindernis“ in der Wasserrechtsrahmenrichtlinie gekennzeichnet gewesen, berichtet Bürgermeister Thomas Groll und ergänzt: „Da es für die Einspeisung des Wassers in den Teich aber notwendig ist, kann es nicht einfach zurückgebaut werden.“ Insofern müsse das Wehr erhalten, aber eben auch für Fische durchgängig gemacht werden: „Das erreichen wir durch das Entfernen der Justiervorrichtung und den Bau einer Fischaufstiegsanlage.“ Die Brücke, die über den Fluss führt, bekommt zudem eine neue Deckschicht.
Ein Stückchen weiter ist die Stadt außerdem damit beschäftigt, die Wiera zu renaturieren. Dies geschehe durch „strukturverbessernde Maßnahmen“, sagt Groll und verweist darauf, dass dieses Projekt einen naturschutzrechtlichen Ausgleich für die Neugestaltung des Parks darstelle. Auf einer Seite werde die Uferböschung zu diesem Zweck abgeflacht. „Die stellenweise Einbringung von formwilden Steinen an den Böschungen wird die eigendynamische Entwicklung des Gewässers initiieren, so dass sich der Verlauf frei entwickeln kann“, erklärt der Rathauschef und übersetzt auf Nachfrage dieser Zeitung: „Das Wasser soll sich seinen eigenen Weg suchen.“ Da die Südseite der Wiera sehr nah an privaten Grundstücken liegt, sei dies eigentlich nur auf der anderen Seite möglich: „Auf der südlichen Uferseite sollen die Uferböschungen teilweise durch Wasserbausteine und Totholz gesichert werden.“ Außerdem komme noch ein Blühstreifen an den Rand des kleinen Fließgewässers. „Wiera soll sich ihren Weg suchen“ weiterlesen

Mit dem U-Boot hinunter bis ins Mittelalter

Neue Stadtschrift beschreibt die Entstehungszeit von Neustadt
Von Stefan Dietrich
Neustadt. Wie sah Neustadt aus, als die Stadt gegründet wurde? Im kommenden Jahr feiert die Stadt 750 Jahre urkundliche Ersterwähnung. Die Feierlichkeiten sollen aufgrund der Pandemie erst im April beginnen. Ein Anlass, einen Blick zurückzuwerfen auf die Entstehung der Stadt. Das haben Andrea Freisberg und Gerhard Bieker in rund zwei Jahren Recherchearbeit getan.

Das Ergebnis stellten sie gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Groll am Freitag im historischen Rathaus vor. „Eine NEUeSTADT entsteht“, heißt das Buch. Die besondere Schreibweise des Titels verbindet den heutigen Stadtnamen mit der frühen Geschichte, als die „neue Stadt“ auf lateinisch „Nova Civitas“ genannt wurde.

„Wir wollten nicht an der Oberfläche bleiben, sondern tief in die Geschichte eintauchen“, beschrieb Bieker die Arbeit an den rund 80 Buchseiten. Er verglich die Recherche mit einem U-Boot-Tauchgang. Denn eigentlich mussten Freisberg und Bieker noch tiefer in die Vergangenheit hinab als ins Jahr 1272, in dem Neustadt erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Die Gründung muss vorher gewesen sein, etwa um das Jahr 1250. „Wir haben lange gesucht, aber keine Stadtgründungs-Urkunde gefunden“, sagte Bieker, „nur Indizien“. Anhand derer konnten sie sich dennoch ein relativ genaues Bild von der Zeit der Stadtgründung machen.

Stadtgründer wollte Marktgebühren einnehmen

Der Stadtgründer dürfte demnach Graf Ludwig von Ziegenhain-Nidda gewesen sein. Gemäß der Teilungsurkunde der Grafschaften Nidda und Ziegenhain durfte er Städte nur südlich der Straße „Lange Hessen“ gründen. Im nördlichsten Zipfel seines Gebietes entstand Neustadt. Auch im Neustadt-Gedicht, das viele Menschen kennen, ist von dem Stadtgründer Ludwig die Rede. „Mit dem U-Boot hinunter bis ins Mittelalter“ weiterlesen

Zwei Dörfer bekommen neue soziale Mitten

In Mengsberg wird Dorfgemeinschaftshaus gebaut / Speckswinkel gestaltet Spielplatz um

Von Florian Lerchbacher

Mengsberg / Speckswinkel. In zwei Neustädter Stadtteilen stehen Projekte an, die gut für den sozialen Zusammenhalt sein sollen: Mengsberg bekommt einen seit Jahrzehnten bestehenden Wunsch erfüllt, indem ein Dorfgemeinschaftshaus gebaut wird. In Speckswinkel steht derweil die Umgestaltung des Spielplatzes zu einer „grünen Mitte“ an, die Treffpunkt für Jung und Alt und alle dazwischen werden soll.

Bürgermeister Thomas Groll nahm nun mit Vertretern aus den Dörfern Förderbescheide aus dem Dorfentwicklungsprogramm des Landes Hessen aus den Händen des Kreisbeigeordneten Klaus Weber entgegen. „Die Summen sind für unsere Verhältnisse zwar nicht so besonders groß. Aber das wichtige ist, was daraus erwächst“, sagte der Rathauschef und ergänzte, dass die Dörfer neue „soziale Mitten“ bekommen.

Die Fördergelder (50 000 Euro für Mengsberg, 5 400 für Speckswinkel) sind als Unterstützung für die Planung der beiden „Leuchtturmprojekte“ gedacht. In Speckswinkel ist das Ziel, den Spielplatz aus den 1970er-Jahren so umzugestalten, dass er mit Ruhe- und Aktivitätszonen Treffpunkt wird.

Der Ortsbeirat hat eine Konzeption entwickelt, laut der auch das Element Wasser erlebbar gemacht werden soll. Ortsvorsteher Martin Naumann hofft, dass das rund 165 000-Euro-Projekt schnell umgesetzt und schon im Spätsommer 2022 eingeweiht wird – damit der Platz dann ein zentraler Veranstaltungsort im Jahr 2023 werden kann, wenn Speckswinkel das 800-jährige Bestehen feiert. „Wir haben aber auch noch andere Projekte im Blick“, stellte er heraus und freute sich über den „absoluten Mehrwert“ der entstehenden neuen Mitte.

Nicht ganz so schnell wird es in Mengsberg vorangehen, wo es bisher keine öffentliche Versammlungsstelle gibt. Die Stadt hatte verschiedene bereits bestehende Gebäude in Betracht gezogen, um sie als Dorfgemeinschaftshaus zu entwickeln, berichtete Groll.

Das evangelische Gemeindehaus sei aber nicht nur sanierungsbedürftig, sondern auch nicht ansatzweise barrierefrei zu gestalten – und Parkplätze gebe es auch keine: „Es lohnt sich also nicht, da noch Geld reinzustecken.“ Auch das Gasthaus Ochs komme aufgrund verschiedener Barrieren nicht in Frage. Und das ehemalige Kita-Gebäude nutzt die Grundschule für ein Betreuungsangebot.„Insofern sind wir beim Neubau angelangt“, so der Bürgermeister. Dafür biete sich der Bereich des Freizeitgeländes am Engelhain an, wo schon Grillhütte, Hallenbad, Reitplatz und Sportplätze angesiedelt sind.

„Dort könnten wir ein vollständig barrierefreies Raumangebot schaffen, das insbesondere in Zusammenhang mit den umliegenden Anlagen die gesamtkommunale Bedeutung des Mengsberger Bildungs- und Freizeitbereichs stärkt“, sagte Groll. Im „Haus für alle“ könnten neben Kultur- und Bildungsveranstaltungen dann auch Feiern der Vereine und von Privatpersonen stattfinden. Das fülle zum einen die in Mengsberg klaffende Lücke und sei zum anderen eine gute Ergänzung zu den Möglichkeiten, die die anderen Stadtteile bieten.

Eine Arbeitsgruppe aus dem Dorf hatte, mit Unterstützung des Kasseler Büros für Regionalplanung und Stadtentwicklung akp, verschiedene Ansätze für die Nutzung entwickelt.

Bürgermeister Groll geht davon aus, dass im kommenden Jahr die notwendigen Planungen erfolgen und das Gebäude dann in den Jahren 2023 und 2024 errichtet wird. Die Stadt rechnet mit Kosten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro – und hofft auf Zuschüsse von 75 Prozent. „Insgesamt werden wir im Zuge der Dorfentwicklung inklusive der privaten Projekte mehr als drei Millionen Euro investieren. Das ist viel mehr als ursprünglich gedacht“, betonte Groll.

Klaus Weber verwies darauf, dass mit dem Vorhaben die vielfältigen Aktivitäten der Wettbewerbe „Unser Dorf hat Zukunft“ einen krönenden Abschluss erleben würden. Dem schloss sich Karlheinz Kurz an, der Mengsberg als Ortsvorsteher auf dem Weg zum „Golddorf“ begleitete – wenn nicht gar führte. Wenn in seiner Amtszeit dann auch noch ein Dorfgemeinschaftshaus fertiggestellt werde, sei dies ein weiteres Highlight seiner kommunalen politischen Laufbahn, stellte er heraus und kündigte an, dass die Bürger garantiert auch wieder Eigenleistung in die Umsetzung der Pläne für das „Haus für alle“ einbringen werden.